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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15. September 1995

Viel Nachhall in klarer, dünner Luft
Mit "Hochland" erklettert der Weimarer Choreograph Joachim Schloemer eine neue Stufe seiner Entwicklung

[...] Mit großer Phantasie und so frischen wie ungewöhnlichen Bewegungen entwirft Schloemer eine Utopie vom einfachen Leben, die ihre Künstlichkeit nie verleugnet und das traurige Ende, das sie nehmen wird, schon zu besseren Zeiten bedenkt. Die Bilder der mit Blüten und Zweigen geschmückten Blumenkinder tragen den Keim der Katastrophe schon in sich, in die sich die "Hochland"-Gesellschaft widerstandslos treiben läßt. [...] Schloemer träumt und albträumt, und was er dem Publikum vor Augen führt, dunkel zwar, doch aus vielen Facetten funkelnd, langsam und spröde am Anfang, reich und reicher orchestriert mit zunehmender Spieldauer (von nur 75 Minuten), entwickelt eine enorme Sogwirkung. Es ist insgesamt grandios und partienweise von atemberaubender Schönheit [...] Der Jubelsturm, der dem Choreographen und seinen Tänzern am Schluß der "Hochland"-Premiere entgegenschlug, schien schon ein wenig Abschiedsschmerz zu enthalten - und vielleicht auch ein bißchen Trotz: Seht, wir lieben euch trotzdem.

Jochen Schmidt